Eine Idee, die trennt statt zu vereinen - Der Feuerwehrgesangverein
Mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Köngen entsteht 1863 auch der Feuerwehr-Gesangverein. Dass man sich gerade auch in Köngen der mitreißenden Kraft der Sängerbewegung und dem Einfluss Karl Pfaffs nicht entziehen konnte, ist nur allzu verständlich. Außerdem ermöglichte ein Verein seinen Mitgliedern, in demokratischer Weise eine gemeinsame Sache mitzugestalten. Eine Chance also, die den einfachen Bürgern im politischen Bereich bisher weitgehend versagt blieb.Sicherlich kommt in den zahllosen Vereinsgründungen aber auch die Sehnsucht der Menschen zum Ausdruck, sich in einer radikal verändernden Welt eine überschaubare und beschauliche Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu schaffen.
Karl und Theodor Banzhaf scharten knapp zwanzig Sangesfreunde um sich und unter der musikalischen Leitung von Herrn Ströle, einem Köngener Lehrer, konnte sich der Feuerwehr-Gesangverein in Köngen und der näheren Umgebung Beachtung und Anerkennung verschaffen. Kirchlichen Kreisen allerdings waren die weltlichen Gesänge ein Dorn im Auge. Auf Grund guter Beziehungen, die allerdings nun ihrerseits sehr weltlich waren, gelang es ihnen, im Jahr 1869 die Versetzung Ströles nach Lorch zu erreichen. Das war vorerst das Ende, denn ein Nachfolger als Chorleiter war nicht in Sicht. Als dann die Württemberger an der Seite Preußens und des Norddeutschen Bundes in den Deutsch-Französischen Krieg zogen, war an ein Fortbestehen des Chores ohnehin nicht mehr zu denken. Erst 1875 schafften es die Gebrüder Banzhaf erneut, den Feuerwehr-Gesangverein zu konstituieren. Immerhin setzten 39 Köngener Männer ihre Unterschrift ünter die am 30. November 1875 neu verfassten Statuten. In den Folgejahren konnte der Verein trotz mehrerer Wechsel im Vorstand und am Dirigentenpult wieder Fuß fassen.
Der Liederkranz
Als August Theurer am 01.01.1883 zum Vorstand gewählt wurde, begann eine Zeit, die von wohltuender Kontinuität geprägt war. Zusammen mit Lehrer Kuder, seit 1881 Dirigent, gelangen ihm für die Zukunft bedeutsame Entscheidungen. Einer dieser Schritte war die Umbenennung zum „Liederkranz“ und der Beitritt zum Sängerbund des Oberamts Esslingen, der später zum Schwäbischen Sängerbund gehören sollte.
Das Vereinsleben blühte, und durch ungezählte erfolgreiche Auftritte bei Sängerfesten, Fahnenweihen und Konzerten wurde der Liederkranz zu einer Institution in Köngen. Das sollte sich auch nicht ändern, als Herr Kuder 1893 den Taktstock an Herrn Irion übergab, der dann 27 Jahre lang der musikalische Leiter des Vereins bleiben sollte.
Ebenso konnten auch die Wechsel im Vorstand, nachdem August Theurer 1897 eine weitere Wiederwahl abgelehnt hatte, dieser stabilen Phase nichts anhaben. Friedrich Zaiser bis 1902, Adam Maier bis 1905 und schließlich David Brändle bis 1920 wurden seine Nachfolger.
Der Gegenpol, die „Eintracht“
Dem Liederkranz gehörte man damals aber nicht nur deshalb an, weil man Freude am Gesang und am Vereinsleben hatte. Die Mitgliedschaft war vielmehr Ausdruck einer durch und durch bürgerlich-konservativen Gesinnung, die in Köngen vornehmlich von selbständigen Handwerkern und wohlhabenden Bauern getragen wurde. Kein Wunder also, dass sich ein großer Teil der Bevölkerung eher zum 1908 gegründeten Arbeitergesangverein „Freiheit“ hingezogen fühlte. Die sozialen und damit auch politischen Gegensätze hinterließen somit auch in Köngen deutliche Spuren.
Von diesem Gegensatz blieb der Chorgesang in Köngen in den Jahrzehnten von 1908 bis 1933 geprägt. Ihre politische Herkunft haben die Sänger der „Freiheit“ nie verleugnet. Schon im Gründungsprotokoll brachte der Vorsitzende David Lehmann das deutlich zum Ausdruck: „Auf vielseitiges Verlangen klassenbewusster Arbeiter wurde auf Samstag, 05.02.1908 betreffs Gründung eines Arbeitergesangvereins eine öffentllche Versammlung einberufen, welche im Gasthaus „Zum Lamm“ abgehalten wurde.
Der Erste Weltkrieg machte einer weiteren regelmäßigen Arbeit in beiden Vereinen jedoch vorerst ein Ende. In den Protokollen der „Freiheit“ klafft über die Kriegsiahre hinweg eine schreckliche Lücke, und als Vorstand Johannes Bächtle am 8. Dezember 1918 den Verein neu zusammenführte, waren vierzehn Männer aus seinen Reihen gefallen.
Im Liederkranz war die Situation ähnlich. War es das gemeinsam erlebte Leid des furchtbaren Krieges, dass zur Jahreswende erste Verschmelzungsgespräche zwischen der „Freiheit“ und dem „Liederkranz“ sowie auch dem „Turnverein“ geführt wurden? Bei der Generalversammlung am 04.01.1919 scheiterte dieser Versuch jedoch am Mehrheitsbeschluss der Liederkränzler gegen die Fusion. Den Männern der „Freiheit“ war das wahrscheinlich gar nicht so unrecht, denn trotz aller Annäherung hatten sie nicht vergessen, woher sie gekommen waren. Im Februar 1919 kam dann aber doch noch eine Vereinsehe zustande. Die „Freiheit“ schloss sich mit dem „Turnverein“ zum „Turn- und Gesangverein Eintracht“, kurz der „Eintracht“, zusammen.
Nebeneinander statt miteinander
In den folgenden Jahren entwickelten nun beide Vereine, der Liederkranz und die Eintracht, ein reges Vereinsleben mit zahllosen öffentlichen Auftritten. Wie wichtig den Köngenern diese Vereine waren, zeigen auch die Zuwachsraten im Mitgliederbestand. Allein die Eintracht konnte im Jahr 1919 sechsunddreißig neue aktive Sängerinnen und Sänger aufnehmen, denn während die traditionellen Liederkränze reine Männerchöre darstellten, waren die Arbeitergesangvereine von Anfang an gemischte Chöre. Unter den neuen Sängern war auch Fritz Weckard, der bis zur Auflösung der Eintracht im Jahr 1933 der musikalische und dramaturgische Leiter des Vereins bleiben sollte. Beide Vereine zusammen konnten in den Folgejahren zeitweise 280 Sängerinnen und Sänger aufbieten.
Dennoch hatten bis zum Ende des Jahres 1923 die Vereinskassiere Kummer genug, denn die enormen wirtschaftlichen Probleme der jungen Weimarer Republik bekamen auch sie hautnah zu spüren. Die astronomisch hohen Reparationslasten, die dem Kriegsverlierer Deutschland im Versailler Friedensvertrag diktiert worden waren, heizten die Inflation gewaltig an. Ständig mussten die Vereine ihre Beiträge anpassen, um die laufenden Ausgaben finanzieren zu können.
Dass in einer solchen Situation Naturalien das bessere Zahlungsmittel sind, beweist die Protokollnotiz der Liederkranz-Mitgliederversammlung vom 24.06.1923: „Betreffs der Monatsbeiträge wurde beschlossen, dass dieselben fürs nächste Halbjahr 5 Eier; oder den am Zahlungstag gültigen Preis für 5 Eier betragen. „Und auch der Dirigent des Liederkranzes, der Hauptlehrer Schreck aus Unterboihingen, erbittet sich im April des Inflationsjahres 1923 sein Honorar in Form von 10 Eiern oder einem halben Pfund Butter pro Singstunde.
Außerdem entschloss man sich notgedrungen, nur noch eine statt zwei Singstunden in der Woche abzuhalten. Die Eintracht sah sich am 30. August gezwungen, den Monatsbeitrag für Mitglieder auf die Unsumme von 200.000,- Reichsmark festzusetzen. Die Frauen sollten immerhin noch 150.000,- und Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren 100.000,- Reichsmark aufbringen.
Als dann am 15.11.1923 die Rentenmark in Deutschland eingeführt wurde, und die Währung sich daraufhin erstaunlich schnell stabilisieren konnte, waren auch die Sänger wenigstens die Inflationssorgen los. Der Liederkranz legte seine Monatsbeiträge nun fest auf 20 Pfennige für Sänger und 15 Pfennige für Sängerinnen, die mittlerweile auch hier aufgenommen wurden.
Jetzt aber legte Herr Schreck sein Dirigentenamt nieder und sein Nachfolger wurde Herr Kuder, der Sohn des früheren langjährigen Dirigenten. Auf Grund der soliden musikalischen Basis im Liederkranz gelang Herrn Kuder bis 1926 so mancher Erfolg. Die Eintracht platzte indessen räumlich aus allen Nähten. Die ständig anwachsende Vereinsfamilie konnte bei öffentlichen Veranstaltungen kaum noch in befriedigender Weise untergebracht werden. Und dass man sich im Bezirk zu den Spitzenvereinen zählen konnte, war der selbstbewussten Eintracht längst klar. Also war es nur folgerichtig, dass im Sommer 1921 das Bezirksturnfest in Köngen ausgerichtet wurde. Bei der Gemeinde Köngen wurde zu dieser Zeit auch schon wegen eines Bauplatzes für eine eigene Halle vorgefühlt. Ein Vorhaben, das erst 1926 zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden konnte.
Das folgende Jahrzehnt war für beide Gruppen eigentlich eine Zeit der routinemäßigen Jahresabläufe. Zahllose Gartenfeste, Maskenbälle, Herbst- und Weihnachtsfeiern wurden organisiert, Sängerfeste besucht, Konzerte und Ausflüge veranstaltet. Während die Eintracht noch sehr stark mit ihrer Halle beschäftigt war, knüpften der Liederkranz und der 1924 gegründete Turn- und Sportverein engere Bande. Als der Liederkranz 1927 vom Plochinger Liederfest mit einem respektablen 1a-Preis nach Köngen zurückkehrte, wurden die erfolgreichen Sänger am Ortseingang von den Turnern in Empfang genommen und unter dem Beifall der Bevölkerung in ihr Vereinslokal eskortiert. Die Sangesbrüder revanchierten sich in gleicher Weise, als der Turn- und Sportverein im August des gleichen Jahres nach einem Wettkampf in Bünzwangen wieder Köngener Boden betrat. Vor allem die jüngeren Mitglieder wollten die Verbindung zum Sportverein intensivieren ja sogar der Gedanke einer Verschmelzung beider Vereine wurde 1930 diskutiert, nachdem man in der Zwischenzeit schon einige Weihnachtsfeiern gemeinsam gestaltet hatte. Diese Annäherungsversuche wurden vom Chorleiter, dem Köngener Lehrer Karl Blon kräftig unterstützt. Herr Blon hatte 1926 die Nachfolge von Hermann Kuder angetreten und wurde von den Sängern wegen seines unermüdlichen Einsatzes für den Verein sehr geschätzt.
Allerdings war sein Name dann später eng mit dem Köngener Nationalsozialismus verknüpft. Sein Kollege Fritz Weckard war indessen im anderen Sängerlager, dem Turn- und Gesangverein Eintracht nicht weniger erfolgreich. Herr Weckard war aber nicht nur der musikalische Leiter des Vereins, sondern mit der gleichen Begeisterung und Hingabe auch Dramaturg und Regisseur für die Theatergruppe. Die Kulissen, die er dann noch in unvergleichlicher Weise für seine Aufführungen selbst malte, verwandelten die Eintrachthalle oft in ein festliches Theater.
Auch bei der Eintracht waren die sich jährlich in ähnlicher Weise wiederholenden Veranstaltungen längst zur Routine geworden. Neue Ideen, die neue Impulse verliehen hätten, waren nicht in Sicht. Und somit ist in beiden Gesangvereinen am Anfang der dreißiger Jahre eine gewisse Müdigkeit ihrer Mitglieder nicht zu übersehen. Stagnierende Mitgliederzahlen und gebetsmühlenhafte Appelle und Ermahnungen der Vorstände, die Singstunden noch besser und pünklicher zu besuchen, sind für diesen Zustand beispielhaft.
Die allgemeine politische und wirtschaftliche Unsicherheit in der niedergehenden Weimarer Republik wird noch, wie man wohl zu Recht annehmen darf, das ihre dazu beigetragen haben. Und so ist es wieder einmal die große Politik, die den eingefahrenen Rhythmus unserer Köngener Gesangvereine jäh durcheinander bringt. Die neue Zeit, die mit Hitlers Machtergreifung 1933 angebrochen war, veränderte in der ihr eigenen radikalen Weise auch unser Vereinswesen. Für den Liederkranz waren massive Strukturveränderungen die Folge. Für die einst so selbstbewusste Eintracht, die stolz war auf ihre Arbeitertradition, gab es in diesem politischen Umfeld jedoch keinen Platz mehr.
Vom Vorstand zum Vereinsführer
Bereits im Herbst 1933 erreichte der ungemein mächtige Arm des Führerstaates auch die linientreuen Vereine. Obwohl politisch unverdächtig, waren sie dennoch letzte Überbleibsel einer demokratischen Ordnung. Am 15. Oktober wurde der Liederkranz „gleichgeschaltet“. Was das heißen sollte, machte Dirigent Karl Blon in seiner Eigenschaft als NSDAP-Ortsgruppenleiter dem Verein klar: „Wesentlich ist, dass so wie im neuen Staat, auch in den Vereinen das Führerprinzip gilt“. Die Satzung des Liederkranzes musste umgeschrieben werden. Künftig war der Vereinsführer, der von der Mitgliederversammlung gewählt werden musste, der uneingeschränkte Herr im Haus. Seinen Stellvertreter ebenso wie den Kassierer, Schriftführer, Chorleiter und den Ausschuss, die alle zusammen den Vereinsbeirat bildeten, hatte der Vereinsführer in Zukunft zu ernennen. Einer der spannendsten Tagesordnungspunkte einer jeden Generalversammlung, nämlich Neuwahlen, wurde damit überflüssig.
Am 10. November 1935 veranstaltete der Verein sogar ein „Vaterländisches Konzert“. Inhalt und Ablauf sind nicht überliefert, so dass das Bild verschwommen bleibt. Wie man sieht, ging der traditionell bürgerliche Liederkranz mit der Zeit, indem er sich ihr anpasste. Ohne in seinen Reihen viele NSDAP-Mitglieder zu haben, ging der Verein diesen Weg im Einklang mit dem größten Teil der Bevölkerung. Noch im Jahr 1933 wurden die ehemaligen Sänger und Sängerinnen der zwangsaufgelösten Eintracht vom Liederkranz heftig umworben. Bekannt ist, dass zu diesem Zweck am 21.10.1933 auf Veranlassung des Teck-Neckar-Gaues eine Versammlung im „Schwanen“ einberufen wurde. In deren Verlauf klärte Gauvorstand Finkbeiner die Sänger nicht nur über den Zweck der Gesangvereine im neuerstandenen Deutschland auf, sondern ermahnte die geladenen Eintrachtsänger, den alten Streit mit den Bürgerlichen zu begraben und sich doch im Interesse der gemeinsamen Sache dem Liederkranz anzuschließen. Die Vertreter der früheren Eintracht hoben zwar ihre grundsätzliche Bereitschaft zu gemeinsamer Arbeit hervor, knüpften daran aber eine Reihe von Bedingungen, die für den Liederkranz unannehmbar war. So blieb es in der Folge nur bei vereinzelten Übertritten.
Christian Eisele, seit 1930 Vorstand der Eintracht, war einer jener Männer, die trotz der alten und keineswegs begrabenen Gegensätze dem Liederkranz beitraten. Hinter dem Wechsel dieses einflussreichen Mannes einen Gesinnungswandel oder gar Opportunismus zu suchen, ist sicherlich nicht angebracht. Vielmehr könnte man dahinter eine kluge und vorausschauende Strategie zur Rettung der Eintrachthalle vermuten. Denn Christian Eisele, der mit seinem früheren Sangesbruder Juhus Bauer bald auch im Liederkranz eine einflussreiche Position einnahm, ließ nicht nach in seinem Bemühen, die herrenlose Eintrachthalle wieder ihrer alten Bestimmung zuzuführen. Aber der Liederkranz sah sich finanziell zur Übernahme der Halle einfach nicht in der Lage. Und die eingefleischten Vorbehalte gegen (die „Moskauhalle“, so der Volksmund, werden wohl ebenso ein gewichtiger Hinderungsgrund gewesen sein.
Überliefert ist, dass die Singstunden während des gesamten 2. Weltkrieges abgehalten wurden; dem Ende entgegen sicher unter äußerst schwierigen Bedingungen und in den Männerstimmen nur unzureichend besetzt. Mit der bedingungslosen Kapitulation und dem damit verbundenen Ende des Dritten Reichs, dessen Städte zerbombt waren und dessen Bürger millionenfach den Gewalttod sterben mussten, endete in seinem 82. Jahr auch der Gesangverein Liederkranz. Niemand in Köngen glaubte zu dem Zeitpunkt daran, dass die beiden großen Sängervereine, die im Laufe ihrer Geschichte stets unvereinbar waren, nun aber vereint schienen in der Bitternis ihres Endes, jemals wieder ihre Stimmen würden erheben können.
Der Neubeginn die Chorgemeinschaft Eintracht-Liederkranz
Erstaunlich sind die frühzeitigen und erfolgreichen Ansätze einer erneuten Vereinsgründung. Christian Eisele schaffte es, die frühere Eintracht und den Liederkranz unter einen Hut zu bringen: die Chorgemeinschaft Eintracht-Liederkranz wurde aus der Taufe gehoben. Als am 22.10.1945 die erste Bürgerversammlung nach Kriegsende in der Eintrachthalle stattfand, trat die Chorgemeinschaft erstmals öffentlich auf. Die versöhnende Richtung, die Ludwig Allmendinger dieser Versammlung mit dem Kernsatz „nicht zum Hassen, sondern zum Lieben sind wir geboren“ gab, erfuhr in dieser Neugründung bleibenden Ausdruck.
Doch nicht nur die Reaktivierung des Chorgesangs war das Werk Christian Eiseles, sondern dank seiner Tatkraft konnte auch die enteignete Halle wieder zurückgewonnen werden. Die frühere Orchestervereinigung Köngen-Unterboihingen-Wendlingen, die auch schon vor dem Krieg oftmals bei Chorveranstaltungen mitgewirkt hatte, schloss sich der Chorgemeinschaft ebenso an wie der Handharmonikaclub. Damit hatte der Verein drei selbständige Abteilungen eine Konstellation, die bis zum heutigen Tag in unserem Raum wohl einmalig ist.
Zweimal wurde in dieser Zeit die Eintrachthalle auf ihr heutiges Format umgebaut. Die dafür erforderlichen Investitionen wurden durch die Gemeinde Köngen mitgetragen. Trotz der unzählbaren Arbeitsstunden, die die Mitglieder auch während dieser Bauvorhaben wieder leisten mussten, verlor die Chorgemeinschaft ihren eigentlichen Zweck nicht aus dem Blickfeld.
Willi Schwarzkopf, der seit 1947 zwanzig Jahre lang den Chor leitete, trieb die Sängerinnen und Sänger immer wieder zu großen Leistungen an, und so konnte auch in dieser Periode so mancher Preis von Sängerfesten nach Köngen geholt werden. Neues regte sich zu dieser Zeit ebenfalls im Verein. Alfred Deuschle, ein junger aktiver Sänger, der seit 1946 zur Chorgemeinschaft gehörte, gründete einen Jugendchor, um auf diese Weise den Nachwuchs zu sichern. Und weil er sich ebenso engagiert als Theaterleiter betätigte, konnte der Jugendchor zum Weihnachtsfest 1956 für die Aufführung des Singspiels „Die Schneekönigin“ viel Beifall ernten.
Auch Willi Schwarzkopfs Nachfolger Paul Fügel verlangte von den Chören großes Engagement und wies den Frauen und Männern stimmbildnerisch den richtigen Weg. Während die Leitung der ländlichen Gesangvereine bis zum 2. Weltkrieg in der Regel die Sache der Lehrer gewesen ist, wurde diese Aufgabe nun mehr und mehr ausgebildeten Musikern übertragen. Die Leiter Schwarzkopf und Fügel gehörten ebenso zu den Berufsmusikern wie Ewald Maier; der in den Jahren von 1970 bis 1985 die Chorgemeinschaft übernahm. Ihrer Professionalität war die sich stetig verbessernde Qualität unseres Chorgesangs zu verdanken.
Und auch Hans-Peter Haas, seit 1986 Chorleiter, setzt diese gute Entwicklung dank seiner hervorragenden Qualifikation fort.Wir müssen feststellen, dass in unseren Chören der Nachwuchs fehlt. Im Grunde genommen ist dieser Mangel an jungen Sängerinnen und Sängern eine akute Gefährdung der Vereinszukunft dar. Wir sehen aber auch, dass dieses Problem andere Gesangvereine ebenso betrifft wie die Köngener Chorgemeinschaft.
